Diese verflixten Ampeln

Es gibt  bei Prüfungsfahrten für einen Fahrschüler  kaum  kritischere Momente,  als wenn er während seiner Ausbildung ausschliesslich auf grüne oder rote Ampeln zufuhr.  Er kann sich bei seiner Prüfungsfahrt unmöglich richtig verhalten, wenn jetzt während seiner Annäherung plötzlich  das  Licht  von  grün auf gelb umspringt.  Soll er nun bremsen?  Oder  doch lieber weiterfahren? Oder doch besser bremsen?

Er weiss zwar vom theoretischen Unterricht,wie man sich in einem solchen Fall zu verhalten hat, doch bis er nun zu einem Ergebnis seiner Überlegungen gelangt, ist es meist für die richtige Entscheidung zu spät.

Diese Erfahrung musste eine Freundin von mir machen, die am selben Tag wie ich zur Prüfung bestellt war. Nie zuvor hatte sie einen Lichterwechsel auf einer Ampelanlage erlebt. Das war auch kein Wunder bei den wenigen Fahrstunden, die man zu meiner Zeit benötigte. Sie fuhr also mit 50 km/h auf einer stark befahrenen Durchgangsstrasse auf eine Ampel zu und liess sich nicht aufhalten, als  das Lichtzeichen von Grün auf Gelb umsprang, obwohl sie noch genügend Zeit gehabt hätte, das Fahrzeug in aller Ruhe vor der Haltelinie zum Stehen zu bringen.

Der Prüfer war mit ihrer Handlungsweise nicht  einverstanden und vertröstete sie auf den nächsten Prüftermin.

Vierzehn  Tage  später,  bei  ihrem zweiten Versuch, schaltete dieselbe Ampel abermals um. Diesmal kam sie aus der anderen  Richtung.  Die  Gedanken  rasten ihr durch den Kopf und sie  wusste  in  diesem  Augenblick, sie  musste  den Wagen unbedingt zum Stehen bringen, sonst war es wieder um ihren Führerschein  geschehen.  Doch diesmal war sie viel zu nahe an der Kreuzung, so dass es ihr nur durch eine Vollbremsung mit  quietschenden Reifen ge- lang, den Wagen  anzuhalten.  Hinter  ihr  konnte  man  das gleiche  nerveraufreibende Geräusch vernehmen.

Weiter im Text